Adventskalendergeschichte – Antonia Stahn – Die Reise vom gläsernen Baum zum blauen Planeten – Weihnachtssaga – Teil 4

Antonia Stahn
Die Reise vom gläsernen Baum
zum blauen Planeten.
Eine Weihnachtssaga.
ISBN 978-3-939937-02-9
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So endete Teil 3 der Weihnachtssaga:
Lucas legt das Buch aus der Hand. Für einen Augenblick schließt er die Augen. Nach wenigen Sekunden ist seine Traumgeschichte gegenwärtig. Mit leiser Stimme beginnt er zu erzählen.
… und so geht die Geschichte weiter:
»… Paul umklammert mit beiden Händen den Körbchenrand. Mimir streicht dem Jungen übers Haar. Sofort vergisst Paul seine Angst. Die Aufregung nicht. Zu viele neue Eindrücke stürmen in sein Bewusstsein. Staunend sieht er sich um. Die leuchtenden Sterne scheinen zum Greifen nah.
„Wunderschön, nicht wahr, Paul?“ Mimir macht seinen Schützling auf die Sternzeichen aufmerksam.
Die kleine Seele möchte nun alles über das Universum erfahren.
Geduldig beantwortet Mimir Pauls Fragen. „Nein, du bist nicht die erste Seele, die ich begleite. Den Weg durch die Milchstraße kenne ich gut. Langweilig waren meine Reisen nie. An den Sternen habe ich nach wie vor Freude. Möchtest du mehr über unsere Reiseroute und die Sterne erfahren, Paul?“
Paul nickt. Er macht es sich im Korb gemütlich und lauscht Mimirs Worten.
„Milchstraßen werden Galaxien genannt. In den Galaxien gibt es etwa eine Billion Sterne. Im All gibt es ungefähr zehn Millionen Galaxien. Die Milchstraße, durch die wir gerade fliegen, gehört zum Planeten Erde. Das für die Erde wichtige Sonnensystem ist ein Teil dieser Milchstraße. Um die Sonne kreisen in einer inneren und einer äußeren Bahn kleinere Planeten. Zu ihnen zählt die Venus, von den Menschen mal Abendstern, mal Morgenstern genannt. Die Erde, zu der wir jetzt unterwegs sind, ist der drittnächste Planet zur Sonne – 149,6 Millionen Kilometer von ihr entfernt.“
Nur noch die Sterne hören Mimir zu. Paul ist eingeschlafen. Mit Zahlen und Systemen kann er noch nicht viel anfangen.
Auch Mimir wird ein wenig müde. Viel Schlaf brauchen Engel nicht. Ein paar Sekunden nur.
Heute schläft Mimir einen Augenblick zu lange. Das Zischen vorbeisausender Meteoriten schreckt ihn auf. Mimir reagiert blitzschnell. Kraftvoll und geschickt lenkt er das Körbchen durch den Sternschnuppenschwarm. Weder er noch Paul werden von den heißen Steinbrocken getroffen. Die kleine Seele hat den Beinahe-Unfall glücklicherweise verschlafen. Sie wacht erst auf, als sich die Fahrt des Körbchens verlangsamt. Ohne Probleme landen Mimir und Paul auf einem scheinbar unbewohnten, sehr, sehr kleinen Planeten.«
Der einsame Junge
Laura zeigt auf das kleine Buch auf dem Kamintisch. „Hach, ich weiß, wo Paul und Mimir gelandet sind!“
Lucas nickt und fährt mit seiner Erzählung fort …
»… „Dürfen wir denn diesen Planeten betreten?“, fragt Paul.
„Ich denke schon“, erwidert Mimir. „Während meines letzten Aufenthaltes habe ich hier niemanden angetroffen. Nur eine dunkelrote Rose unter einem Glassturz. Ich habe versucht, mit ihr zu reden. Aber sie hat mich nicht beachtet. So konnte ich leider nichts über diese kleine Welt erfahren.“
„Vielleicht ist heute jemand da“, sagt Paul hoffnungsvoll und klettert vorsichtig aus seinem Körbchen.
Zum ersten Male verlässt Paul sein Reisegefährt. Das Gehen bereitet ihm keine Schwierigkeiten.
„Mimir! Hier ist ein Loch in der Erde“, ruft er.
„Das ist kein Loch, sondern der Krater eines erloschenen Vulkans“, sagt eine helle, zarte Stimme plötzlich.
Erschrocken dreht Paul sich um. Ein kleiner Junge, etwa in der Körpergröße eines Zehnjährigen, steht vor ihm.
Der Junge hat ein blasses, sehr hübsches Gesicht. Seine hellblonden Haare sind ziemlich lang. Um den Hals hat er sich einen gelben Schal gewickelt. Sein grünes Gewand fällt bis zu den Füßen. Schuhe benötigt er wohl nicht. Der Boden des kleinen Planeten ist ziemlich warm.
„Ich habe euch zwar nicht eingeladen, heiße euch aber dennoch in meiner Welt herzlich willkommen“, sagt er leise und gibt zuerst Mimir und dann Paul die Hand. Eine leichte Röte der Freude überzieht sein blasses Gesicht. Mit einladender Geste bittet er die Fremden näherzukommen.
„Schaut euch nur alles an! Das ist meine kleine Welt.“
Der fremde Junge zeigt auf zwei tätige Vulkane. „Es ist sehr wichtig, sie jeden Tag zu kehren; dann brennen sie immer sanft und regelmäßig. Auch den erloschenen Vulkan fege ich immer gründlich aus – man weiß ja nie.“
Sein kleines Gesicht bekommt bei diesen Erklärungen einen wirklich wichtigen Ausdruck.
„Möchtest du dich ein wenig ausruhen, Mimir? Leider habe ich nur einen Stuhl. Du kannst gerne darauf Platz nehmen“, sagt der Kleine. „Paul und ich wollen einen Spaziergang machen. Du kannst dir in der Zeit einige Sonnenuntergänge ansehen. Natürlich nur, wenn du möchtest, Mimir. Weißt du, Engel, wenn ich traurig bin, sehe ich mir gleich mehrere Sonnenuntergänge an. Dazu verrücke ich den Stuhl nur etwas – und schon sehe ich einen anderen Sonnenuntergang. Auf diese Weise habe ich an einem Tag schon mal dreiundvierzig Sonnenschauspiele erlebt.“
„An diesem Tag musst du sehr, sehr traurig gewesen sein“, vermutet Mimir.
Der Junge erwidert nichts. Er hat immer noch nicht gelernt, direkt auf Fragen und Mutmaßungen Erwachsener zu antworten. Doch manches Mal, wenn die Frage längst vergessen ist, kommt seine Antwort. Leider hört dann aber niemand mehr zu. Erwachsene denken einfach nicht darüber nach, dass Kinder für ihre Antworten viel Zeit brauchen. Erwachsene sind nahezu immer in Zeitnot. Und für die langsame, auf Ehrlichkeit bedachte Denkweise der kleinen Menschen fehlt den meisten die Geduld. Selten hinterfragen die Großen die Antworten der Kleinen. Nur die Wahrheit fragt sich häufig, weshalb man ihr überhaupt einen Namen gegeben hat … Doch darüber will der Junge gar nicht grübeln.
Hand in Hand geht er mit Paul durch sein winziges Reich.
„Welches Ziel hat deine Reise?“
… wie die Geschichte weitergeht, erfährst Du hier im Teil 5 der Weihnachtssaga
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Antonia Stahn
Die Reise vom gläsernen Baum
zum blauen Planeten.
Eine Weihnachtssaga.
ISBN 978-3-939937-02-9
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Weihnachtsgeschichten
Band 3
[...] wie die Geschichte weitergeht, erfährst Du hier im Teil 4 der Weihnachtssaga [...]
[...] endete Teil 4 der Weihnachtssaga: „Welches Ziel hat deine Reise?“ … und so geht die Geschichte [...]