Adventskalendergeschichte – Antonia Stahn – Die Reise vom gläsernen Baum zum blauen Planeten – Weihnachtssaga – Teil 6

Antonia Stahn
Die Reise vom gläsernen Baum
zum blauen Planeten.
Eine Weihnachtssaga.
ISBN 978-3-939937-02-9
***
So endete Teil 5 der Weihnachtssaga:
„Während der Reise durch das All hat Pauls Seele die Umrisse einer menschlichen Gestalt angenommen. Klein, zart und fast durchsichtig, Laura. Menschen würden ihn vielleicht für ein Lichtspiel halten. Engel können die Gestalt eines Menschen annehmen und sich zeigen, wenn es sein muss. Das habe ich dir schon erzählt. Erinnerst du dich?“
Und so geht die Geschichte weiter:
Laura nickt. Sie wünscht sich innbrünstig, irgendwann einmal einen Engel kennenzulernen. Aber das sagt sie nicht.
„Hast du schon mal einen Engel gesehen, Lucas? Wie sieht Mimir denn aus? Ist er auch so schön wie der Bote? Du hast so oft von ihm geträumt. Warum erzählst du mir eigentlich nicht, wie er aussieht?“
„Selbstverständlich hätte ich dir Mimir gern beschrieben, Laura. Klar habe ich den Engel im Traum gesehen. Merkwürdig ist es schon. Ich kann mich an die Träume erinnern, aber an Mimirs Aussehen nicht. Vielleicht im nächsten Traum. Dann werde ich dir alles haarklein berichten, einverstanden?“
Lucas schaut auf die Packung mit den Lebkuchen.
„Die Domino-Steine schmecken dir aber gut, Laura. Meinst du, ich kann wenigstens einen davon haben?“
Laura entschuldigt sich, hält ihrem Bruder die beinahe leere Schachtel hin. Mit ihrem schokoladeverschmierten Mund und den blauen Sternenfunkelaugen sieht sie niedlich aus. So niedlich, dass Lucas sie schnell mal zärtlich drücken muss.
„Jetzt erzähl endlich!“, bittet Laura.
Die Landung
„Heute werden Mimir und Paul die Erde erreichen“, beginnt Lucas.
»… Es sind nur wenige Kilometer, die sie von der Erde trennen. Urplötzlich tost ein kalter Wind durch das All. Lautes Brausen und eisige Kälte reißen Paul aus seinen Träumen.“
„Was ist los, Mimir?“
„Keine Angst, Paul“, beruhigt Mimir die zitternde, kleine Seele. „Wir haben unser Ziel fast erreicht. Sobald der Schwarze Planet hinter uns liegt, landen wir sicher auf der Erde.“
Zwischen all den funkelnden Sternen ist ein großer schwarzer Fleck zu sehen. Mimir macht Paul darauf aufmerksam. „Dort auf dem Schwarzen Planeten ist das Böse zuhause. Ein unvorstellbar böser Geist herrscht dort in undurchdringlicher Finsternis. Er lauert stets auf die Seelen vom Gläsernen Baum. Seltsam, er weiß immer ganz genau, wann eine Seele zur Erde reist. Diese Seele möchte der schreckliche Geist für sich gewinnen. Zuerst probiert er es mit Gewalt. Riesige Schattenmänner versuchen, mit ihrem kräftigen, eisigen Atem die Seele und deren Begleiter zum Schwarzen Planeten zu pusten. Das wird ihnen mit uns nicht gelingen. Viele Engel haben gelernt, solche Angriffe abzuwehren. Auch ich kann sehr gut gegensteuern, Paul. Den nächsten Angriff jedoch kannst nur du allein überstehen. Wunderschöne Bilder vom Schwarzen Planeten wird sein heimtückischer Herrscher dir vorgaukeln. Himmlische Musik, glockenreine Stimmen sollen dich locken. Von alldem darfst du dich nicht beeindrucken lassen. Denn nichts ist so wie es scheint! Erliegst du den Verlockungen, kann ich dir nicht mehr helfen. Dann bist du verloren und deine Botschaft wird ausgetauscht. Du musst für den König der Schattenmänner das Böse zur Erde bringen. Und eines Tages wirst auch du ein Schattenmann sein. Sklave für immer.“
Paul ist sehr aufgeregt. „Wie kann ich mich gegen das Böse wehren, Mimir?“
„Schließe die Augen und halte dir die Ohren zu. Versuche nur an deine Botschaft zu denken!“
Der kalte Wind dreht sich. Ein starker Sog zieht das Körbchen zum Schwarzen Planeten. Paul hält sich genau an Mimirs Rat. Die kleine Seele hört und sieht nichts. Dennoch spürt sie, mit welch großer Kraft Mimir gegen den Sog ankämpfen muss. Sekunden oder Stunden? Paul weiß nicht, wie lange der Kampf der Giganten gedauert hat. Mit einem Male wärmt ein unbeschreibliches Glücksgefühl seine furchtsame Seele. Er nimmt die Hände von den Ohren, traut sich die Augen zu öffnen.
„Wir haben es geschafft, Mimir!“, ruft er glücklich.
„Ja, kleiner Freund, es hat wieder einmal geklappt! Jetzt ist der Weg zur Erde frei. Lange werden wir nicht mehr unterwegs sein.“
„Ist dir schon mal eine Seele verlorengegangen, Mimir?“
„Nein. Doch einige Schwestern und Brüder aus der Schutzengelgemeinschaft haben leider den Kampf gegen den Schattenherrscher verloren. Natürlich sind sie nicht bestraft worden, Paul. Sie haben sich ein Menschenleben lang bemüht, die verlorene Seele zu retten. Manchem Engel ist es gelungen. Nur wenige sind ohne ihre Schutzbefohlenen auf dem Glücklichen Planten wieder angekommen.“
Nachdenklich schaut Paul seinen Engel an. „Warum ist das Gute so weit von der Erde entfernt und das Böse ihr so nah? Kannst du mir das erklären, Mimir?“
„Darüber habe ich immer wieder nachgedacht. Leider kann ich dir diese Frage nicht beantworten, obwohl mein Name Mimir ist. Wie du weißt, Paul, habe ich schon viele Seelen zur Erde begleitet. Erfahrung, nicht Wissen hat mich gelehrt: Das Böse hat es von jeher einfacher und bequemer bei den Menschen als das Gute.“
„Aber jetzt, da wir dagegen gekämpft und gesiegt haben, kann mich das Böse nicht mehr einfangen, Mimir, oder …?“
„Nein, jetzt nicht mehr. Du hast in diesem Kampf dein Gewissen bekommen. Es wird dich durch deine Erdenzeit begleiten und vor dem Bösen bewahren.“
Wenige Augenblicke gleitet das Körbchen noch durch die Nacht. Dann landet es sanft auf einer Weide unweit der großen Stadt am Fluss. Paul staunt über das riesige Häusermeer mit den vielen Lichtern. Fragen über Fragen hat er für Mimir parat.
Doch der Engel ist müde. Er zeigt auf einen halb verfallenen Heuschober: „Dort werden wir heute Nacht bleiben. Morgen mein Kind, morgen beantworte ich all deine Fragen.“«
…
… wie diese zauberhafte Geschichte weitergeht, erfährst du demnächst im Teil 7 der Weihnachtssaga …
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Antonia Stahn
Die Reise vom gläsernen Baum
zum blauen Planeten.
Eine Weihnachtssaga.
ISBN 978-3-939937-02-9
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Weihnachtsgeschichten
Band 3
[...] wie die Geschichte weitergeht, erfährst Du hier im Teil 6 der Weihnachtssaga [...]